Auch wenn eine Kulturhauptstadtbewerbung Kassels nicht erfolgreich ist – oder wie zuletzt – erst gar nicht richtig in Gang kommt: Wir können nichts verlieren, wir können nur gewinnen.
So geschehen 2002, als Walter Sons im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung die Idee für „Klangobjekte im öffentlichen Raum“ vorgestellt hat. Auch wenn uns der europäische Titel damals vergönnt blieb, hat Walter Sons mit Beteiligung einiger engagierter Bürger die Waschbärenhauptstadt um einen Klangpfad bereichert. Dieser befindet sich im Park Schönfeld, am Rande des Stadtteils Wehlheiden, und ist vor allem jetzt im Frühling einen Besuch wert. Denn die Klänge der zurzeit neun Klanginstallationen (eine weitere soll wohl bald folgen) intensivieren sich besonders im Zusammenspiel mit den Klängen der Natur – und wann klingt diese schöner als im Frühling, wenn Knospen explodieren und Amselküken schlüpfen?


Wir wären nicht die documenta-Stadt Kassel, wenn auch Entschleunigung nicht auf irgendeine Weise in direkte Verbindung mit Kunst gebracht werden kann: Die Klanginstallationen wurden nämlich von den Künstlern Karl-Josef Dierkes, André Füsser, Olaf Pyras, Werner Redeker, Gunnar Ravn und Michael Wilkens gestaltet und behutsam in die Parkumgebung eingefügt. So, dass die sinnliche Wahrnehmung, das bewusste Hören und die musikalischen Gestaltungskräfte beim Spaziergang nahezu von selbst aktiviert werden können. Doch wie klingen nun Stein, Holz und Metall – wie klingt die Natur?



In die eine Klanginstallation, in den Summstein, sollte man den Kopf stecken. Dass es ein bisschen merkwürdig aussieht, wenn man seinen Kopf in einen Stein steckt, könnt ihr euch wohl denken, weshalb ich euch an dieser Stelle das Foto erspare – doch was man hören kann, das ist schon beachtlich. Wenn man (mit dem Kopf im Stein) beginnt zu Summen, verstärkt sich der Klang und wandelt sich in eine Art vibrierendes Brummen. Man könnte dabei von einem regelrechten Abtauchen in eine ferne Klangwelt sprechen.
An die andere Klanginstallation, den Klangsammler, hält man besser sein Ohr. Durch eine Art Trichter, den man auf den fließenden Bach richten kann, verstärkt sich das Wassergeplätscher. Ziemlich eindrucksvoll ist das, was man hört – wenn man bedenkt, dass ein bisschen hinabfließendes Wasser einen solch kraftvollen Klang erzeugen kann. Und zwar einen ganz natürlich Klang. Spätestens jetzt sollte man nachvollziehen können, wieso der Musiker von Welt mit Wanderschuhen durch die Natur stiefelt um Klänge für seine neusten Tracks aufzunehmen. Sollte es ein Geheimtipp sein – ihr wisst es nicht von uns!



Wem die Ohren noch nicht klingeln, der kann sich dann musikalisch an den Basaltstelen des eben benannten Fächers ausleben. Auch wer es in der Grundschule nicht schaffte „Alle meine Entchen“ auf dem Xylophon zu spielen, kann hier eine kleine Melodie komponieren. Und wenn man bedenkt, dass ein so reiner Klang – den ihr zwar hier nicht hören könnt, der aber gewiss da ist – einem Stein entspringen kann, ist das schon beachtlich, was in der Natur so alles steckt.










Wir können euch nur empfehlen, den Park Schönfeld mit seinem Klangpfad zu besuchen und sich auf die Klänge einzulassen. Das tolle ist, ihr müsst für dieses Erlebnis nicht einmal etwas bezahlen, denn der Park ist jederzeit ohne Eintritt zugänglich.
