MORGENSTUNDEN IM TIERPARK SABABURG

26. September 2017

„Der Wecker klingelt um 6 Uhr, dann geht’s schnell in die Dusche und wir fahren los, sodass wir pünktlich zur Öffnung des Tierparks da sind“. Wie sich herausstellte, war das eher Wunschdenken, denn am Sonntagmorgen – pünktlich um 6 Uhr – schafften wir es gerade einmal, unsere Wecker im Schlaf auf „Schlummern“ zu stellen. „Das kann auch nur uns passieren“ grummelte ich dann eine Stunde später, als ich gerade erwacht auf den Wecker starrte. Am frühen Morgen würden die Tiere sicher noch nicht genervt sein von den vielen Besuchern, die ihnen Hirse und Pellets vor die Mäuler hielten und mit kleinen und großen Händen durch ihre flauschigen Fellwesten streichelten. Und was machen wir? Wir verschlafen. Nachdem wir also einen neuen Weltrekord im Duschen aufgestellt hatten, parkten wir trotzdem um viertel nach acht auf einem der kostenfreien Parkplätze inmitten des Reinhardswaldes und stapften zum provisorischen Kassenhäuschen des Tierpark Sababurg, da der Eingangsbereich gerade umgebaut wird. „Einmal Student und einmal normal“, flüsterten wir dem Ticketverkäufer zu, als wollten wir die sonst nur vom Vogelgezwitscher durchbrochene Stille nicht stören. Dass es so still war, hatte womöglich eine Ursache: Wir waren tatsächlich die ersten Besucher, wie uns der junge Mann an der Kasse versicherte. Da haben die anderen wohl auch ihren Wecker überhört oder ist Frühaufstehen einfach aus der Mode gekommen? Die Tiere waren teilweise auch noch am Ratzen, so war kein Känguru in Sicht und auch kein Schwein am Schnüffeln.

In den Baumkronen hing noch immer dichter Nebel, der dem Tierpark am Fuße des Dornröschenschlosses ein richtiges Märchenflair verlieh. Die zauberhafte Idylle wurde aber bald durch intensive Plansch-Geräusche gestört – die Humboldtpinguine hatten uns erspäht und forderten unsere Aufmerksamkeit. Auf einmal hüpften alle ins Wasser, führten ihre tollsten Kunststücke vor: Sie tauchten elegant durch die Tiefe, machten eine Pirouette nach der anderen und sprangen immer wieder wie Delfine aus dem Wasser. Es gibt sie also doch noch: Frühaufsteher!

Während die Waschbären außer Haus schienen, starrten uns die Ziegen schon von weitem an. Ihr Gehege hat einen Kontaktbereich, sodass man die Vierbeiner in ihren vier Wänden besuchen kann. Zu froh über unseren Besuch schienen die Ziegen jedoch nicht, als sie feststellten, dass wir mit leeren Händen gekommen waren. Statt sich über Tierparkfutter zu freuen, durften sie bis zum Besucheransturm an abgefallenen Ästen der dortigen Eiche knabbern.

Ein paar Meter weiter warteten nämlich schon die Erdmännchen in typischer Pose. Neugierig drehten sie ihre Nasen zu uns, ehe sie wieder in die Ferne blickten. Weniger neugierig, dafür ganz schön müde trafen wir die Kattas an. Während der Pfleger ihr Gehege frisch machte, kuschelten sie auf einem Ast und blinzelten nur kurz auf, als würden sie uns rasch begrüßen wollen, bevor sie wieder in die Traumwelt entfliehen. Nebenan ging es dafür ziemlich wild zu: Im Kontaktbereich zwitscherten die Wellensittiche nur so um die Wette. In ihren grünen, blauen und gelben Gewändern nahm man sie manchmal gar nicht wahr, wenn sie die Baumkronen bevölkerten. Wie auf Kommando flog der Schwarm wie ein großer bunter Schmetterling über unseren Köpfen hinweg und bewies, dass sogar vermeintlich langweilige Wellensittiche faszinierend sein können.

Rund eine Stunde ist bereits vergangen, als wir beschließen eine Tüte Tierparkfutter zu kaufen. Denn meine liebsten Tierparkbewohner hatten endlich das Bett verlassen: Die Bennettkängurus hüpften durch ihr Gehege und wühlten mit ihren Nasen im kühlen Gras. Hätten wir besser aufgepasst, wäre uns klar gewesen, dass sie das Tierparkfutter nicht wirklich begeistern konnte: Auf der Wiese knabberten sie an den vielen Nacktschnecken, die wohl einen echten Gaumenschmaus darstellen. Das Futter wanderte also in unsere Tasche, während wir dem Känguru beim Schmatzen zuschauten und ihm währenddessen den Rücken kraulten. Außerhalb des Geheges tapste ein weißer Schäferhund mit seinen Besitzerinnen vorbei, blieb stehen, machte Männchen und schaute neugierig über die Holzlatten. Down under in Nordhessen kann man sich auch wirklich nicht entgehen lassen.

Während die Wisente dem Nebel trotzen, pfiff und fauchte es aus dem Fischotter-Teich. Zehn Minuten vor zehn haben die exzellenten Schwimmer bereits Hunger und warten darauf, dass der Pfleger zur Fütterung eintrudelt. „Jörg“ war auch schon bald da und brachte den Ottern das Frühstück, während wir einiges über die Tiere erfuhren. Der älteste Fischotter, Rainer, zählt zum Beispiel stattliche 14 Jahre. Um 14:30 Uhr würden die Otter wieder fauchend auf die nächste Mahlzeit warten.

Nach der Fütterung legten wir einige Meter zurück, bis wir am anderen Ende des Tierparks ankamen. Damhirsche hatte ich als stets hungrig in Erinnerung, denn wir hatten noch immer das Tierparkfutter in der Tasche, das die Kängurus verschmähten. Es dauerte zwar einen kurzen Moment, bis wir das Vertrauen von Bambi und Freunden gewonnen hatten, aber dann mümmelten uns die Hirsche fröhlich aus der Hand. Es ist toll, dass es im Tierpark Sababurg diese sogenannten „Kontaktbereiche“ gibt, in denen man den Tieren sehr nahekommen kann, wobei sie jederzeit die Möglichkeit haben, sich in ein größeres Gehege zurückzuziehen. Nachdem die Futtertüte leer war, machten wir kurz Halt bei den Rentieren und beschlossen Wölfe, die Volieren und den Bauernhof an diesem Tag auszulassen, da unsere Füße langsam anfingen, zu schmerzen.

Vorbei an den Luchsen, die gerade auf der Jagd nach frischem Spatzenfilet waren und die kleinen Piepmätze nur so durch das Gehege scheuchten, stoppten wir kurz an einem der Grillplätze im Park. Der Nebel war verschwunden, sodass wir auf das Schloss blicken konnten, das fast schon niedlich erschien, so groß wirkte die Landschaft, die es umgibt.

Bald kommen wir bei den Wildschweinen an, die sich über jede Eichel freuen, die wir auf dem Fußweg aufsammelten und zu ihnen in das Gehege warfen. Die Tiere fühlen sich hier echt wohl, das merkte man. Langsam kamen uns immer mehr Leute entgegen, kein Wunder, denn wir waren eine große Runde gelaufen und nach rund vier Stunden „Spaziergang“ wieder am Eingangsbereich angekommen. Wie ein Bienenschwarm tummelten sich hier Eltern und Kinder, Onkel und Tante, Freund und Freundin. Liehen Bollerwagen aus, kauften Tierparkfutter oder einen Snack am Kiosk. Während die einen gerade ihren Sonntagsausflug starteten, beendeten wir unseren. Etwas erschöpft, 8.000 Schritte später und mit einem – nun vielleicht wieder müden – Grinsen auf dem Gesicht. Ein Besuch im Tierpark Sababurg ist nicht nur ein Erlebnis an sich, sondern bietet eine ganze Menge Erlebnisse. Auch wenn man, wie wir, nur wenigen der vielen Tiere einen Besuch abstattet.

Der Park hat von Januar bis Februar von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr, im März von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr, von April bis September von 08:00 Uhr bis 19:00 Uhr, im Oktober von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr und von November bis Dezember von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet. Eintrittspreise und mehr findet ihr hier.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ÜBER FULDAUFER

Weit über die Stadtgrenzen hinaus trifft man Menschen, die Kassel nur als Stadt mit dem zugigen Bahnhof kennen. Und vor Ort beklagt man sich über das vermeintlich hässliche Stadtbild mit der eigentlich schmucken Architektur der 50er Jahre. Doch die Waschbärenhauptstadt ist in Wahrheit nicht bloß schön, nein, sie hat sogar einiges zu bieten - deshalb wurde 2016 "Fuldaufer" von Lena Gehrmann und Sebastian Tam gegründet. Sie zeigen, wie und wo sie Kassel erleben und bieten Inspiration für Kassel-Bewohner und -Besucher. Erlebt Kassel mit ihnen: Kreuz und quer, kulinarisch und kulturell!

Fuldaufer in dein E-Mail-Postfach?

© FULDAUFER 2017 ÜBER UNS / KONTAKT / IMPRESSUM
FOLLOW US