VON FLEISSIGEN BIENEN ZUM CRAFTBEE

04. Oktober 2016

Unsere Region hat kulinarisch gesehen einiges zu bieten. Die Stulle mit Ahler Wurscht ist bei vielen absoluter Frühstücksfavorit. Wer es süß mag, schmiert sich aber wohl eher Honig aufs Brot. Dass der nicht unbedingt aus einem beliebigen Supermarktregal stammen sollte, wird spätestens klar, wenn man den Honig von Michael Busse und Michael Hertweck probiert. Aromatisch, cremig, ein wirklicher Genuss. Ihre Bienen, allesamt mindestens stolze Kasseler, sammeln aber nicht nur fleißig für den Honig im Glas. 75 bis 80 Kilo ihres schmackhaften Goldes steuern sie für die Produktion von knapp 2000 Liter „craftBee“ bei. Hinter dem Namen verbirgt sich das Honigbier der Region, man könnte auch von „Kassel in der Flasche“ sprechen. Weil wir neugierig waren, wie es von den Bienen zu craftBee kam, haben wir Michael Busse und Michael Hertweck – und ihren kleinen Helfern – einen Besuch abgestattet.

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In der Unterneustadt unterwegs, sehen wir schon beim Einbiegen in den Schwanenweg von weitem das Schild, das mit dem craftBee-Schriftzug auf einen Innenhof verweist. Dort treffen wir Imker Michael Hertweck, der uns gut gelaunt begrüßt und uns direkt in die Welt der Bienen entführt: Unweit vom Platz der Deutschen Einheit, mitten in der Stadt, befinden sich hier vierzehn Bienenvölker, die fleißig süße Pflanzensäfte und Pollen für die Honigproduktion sammeln. Denn trotz der vielen Straßen im Umkreis, müssen die Bienen nicht weit fliegen, um zur nächsten Streuobstwiese zu gelangen. Hinter der Messe befindet sich ein großes Kleingartengelände und – nicht zu vergessen – ist die Orangerie mit gerade einmal 500 Metern Luftlinie nur einen Katzensprung entfernt. Kassel besitzt enorm viele Grünflächen – besonders aus Bienenperspektive ist unsere schöne Stadt also ein echtes Paradies. Im Moment ernten die Bienen noch Nektar vom blühenden Efeu. Neben zusätzlich gegebenem Winterfutter müssen sie den Nektar einlagern, um sich den Winter über ernähren zu können. Denn in der kalten Jahreszeit fliegen die Bienen nicht aus: Schon jetzt ist der Flugbetrieb nicht mehr so stark, weshalb das Loch am Bienenstock verkleinert wird, sodass es besser vor Eindringlingen (z.B. Wespe, Maus) verteidigt werden kann.

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Nicht nur am Schwanenweg, sondern auch an vielen anderen Orten in Kassel (z.B. am Weinberg) hausen die Bienen von Hertweck und Busse. Wir erfahren, dass von den insgesamt 80 Bienenvölkern ungefähr fünf für die Jahresproduktion an Honig für Bier „beauftragt“ sind. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für die kleinen Tierchen, ist das craftBee doch das Aushängeschild von Michael Hartweck, Michael Busse und Braumeister Sascha Nicolai: Als wir das craftBee(r) probierten, fiel uns direkt der süße Honigduft auf. Während man die leichte Note der vielen Honigaromen schmeckte, hielt man trotzdem noch ein richtiges Bier in der Hand. Wer also einen Odin-Trunk erwartet oder an Met denkt, weiß nicht, was ein richtiges craftBee ist. Klar, es gibt bereits von diversen Herstellern „Honigbier“, aber dieses kann man nicht mit dem süffigen Bier der Kasseler vergleichen. Die Geheimzutat, will man sie eigentlich nicht verraten, muss der Honig sein! Er hat eine Aromavielfalt, die man nicht nachempfinden kann – und schmeckt immer wieder anders. Denn die Imker betreiben keine Wanderimkerei: Ihr Honig ist ein Mischhonig, dessen Zusammensetzung von der Ernte(zeit) und dem Wetter abhängt. Während das vergangene Jahr ein echtes „Waldhonigjahr“ gewesen sei, ist im diesjährigen Honig viel Lindenblüte enthalten. Es hört sich also so an, als sei das Bierbrauen eine echte Herausforderung für den dritten im craftBee-Bunde, den Braumeister Sascha Nicolai von Hütt. Er muss das Bier Jahr für Jahr auf den geernteten Honig abstimmen und gleichzeitig darauf achten, dass es gut trinkbar bleibt – denn der süße Honig lässt den Alkohol schnell ins Blut übergehen. Relativ kurz und einfach dargestellt verbindet sich im craftBee echte Handwerkskunst – seitens der Imker und des Braumeisters. Ein echtes Craft Beer also.

Michael Hertweck und Michael Busse mit ihrem craftBEE. Sebastian hat sich mit leckerem Honig in ihre Mitte geschummelt.

Michael Hertweck und Michael Busse mit ihrem craftBEE. Sebastian hat sich mit leckerem Honig in ihre Mitte geschummelt.

Die Idee zu dem leckeren Honigbier kam übrigens genauso unerwartet wie plötzlich. Eingeladen beim Hütt-Brauereifest, das an einem heißen Sommertag stattfand, waren die Bierpilze überlaufen, während die Kundschaft an Hertwecks und Busses Honig-Stand ausblieb. Ein Honigbier müsste man haben, murmelte Michael Busse, der bis dato eigentlich kein sonderlich großer Bier-Fan war. Vom Marketing der Hütt-Brauerei zufällig „erhört“, wurde der Kontakt zum Braumeister Sascha Nicolai hergestellt. Begeistert von der Idee, war der Grundstein für craftBee gelegt, und das Team craftBee, bestehend aus Michael, Michael und Sascha, geboren. Nun wurde ein halbes Jahr entwickelt, zwischen 248 Hopfensorten gewählt, über Hefe und Malz diskutiert und in 30 bis 40 Ansätzen herumprobiert.

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Das Ergebnis lässt sich auf jeden Fall schmecken! Das bernsteinfarbenene craftBee No 1 „Amber Honey“ besticht mit einer herben Honignote, während das craftBee No 2 „Golden Honey“ weitaus süffiger und spritziger daherkommt. Ein craftBee No 3, ein winterliches Bockbier, ist in der Entwicklung. Mal sehen, wann wir das probieren können. Übrigens: Am besten trinkt man das Bier nicht aus der Flasche, sondern aus einem Degustations- oder Rotweinglas. Und zwar nicht eisgekühlt, sondern bei einer Temperatur von 10 bis 12 Grad Celsius. So können sich die Honigaromen besonders entfalten.

„Unser Bier ist ein Genussmittel. Man kann ein bis zwei Fläschchen trinken, ist angeheitert und zufrieden. Ein perfektes Bier um den Abend ausklingen zu lassen.“

Wir geben Michael Busse, der später zu unserem Treffen hinzustieß, mit dieser Aussage vollkommen recht. craftBee ist definitiv kein Bier, mit dem man sich volllaufen lässt, sondern das man bewusst und kontrolliert genießt. Nicht nur damit bringen die craftBee-Jungs ein Stückchen (Trink-)Kultur in so manches Verkaufsregal. „Regionalität“ lautet das Zauberwort in Zeiten von Globalisierung. Das ganze hat natürlich seinen Preis, braut Sascha Nicolai das Bier in seiner Freizeit in der von der Hütt zur Verfügung gestellten Brauanlage, genauso wie die beiden Michaels neben Familie und Beruf ihre Bienen verpflegen und den Honig ernten müssen. Rund dreieinhalb Taler (online bei Bierlager oder hier) scheinen aber für das 0,33l-Fläschchen gut angelegt, bedenkt man, wieviel Handwerkskunst drin steckt. Übrigens wurde dem craftBee No 2 vor kurzem bei den World Beer Awards, einem der renommiertesten Wettbewerbe in der Bierszene, der Titel des „Country Winners“ verliehen. Ein wahrer Ritterschlag und eine Erkenntnis: Kommt das beste Honigbier Deutschlands wohl aus unserem schönen Kassel.

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Und wer einfach kein Bier mag oder keinen Alkohol trinkt, kann den Stadthonig pobieren, der dem craftBee sein tolles Aroma verleiht. Um meinen Papa zu zitieren, der früher selbst geimkert hat: »Man schmeckt es sofort, Imkerhonig ist schon was feines!«.


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Weit über die Stadtgrenzen hinaus trifft man Menschen, die Kassel nur als Stadt mit dem zugigen Bahnhof kennen. Und vor Ort beklagt man sich über das vermeintlich hässliche Stadtbild mit der eigentlich schmucken Architektur der 50er Jahre. Doch die Waschbärenhauptstadt ist in Wahrheit nicht bloß schön, nein, sie hat sogar einiges zu bieten - deshalb wurde 2016 "Fuldaufer" von Lena Gehrmann und Sebastian Tam gegründet. Sie zeigen, wie und wo sie Kassel erleben und bieten Inspiration für Kassel-Bewohner und -Besucher. Erlebt Kassel mit ihnen: Kreuz und quer, kulinarisch und kulturell!

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