SONNTAGSSPAZIERGANG DURCH DIE KÜNSTLER-NEKROPOLE

29. August 2016

Sonntag war es ziemlich heiß, weshalb wir früh zu unserem Spaziergang durch die Künstler-Nekropole aufgebrochen sind. Am Parkplatz nahe der Rasenallee in Harleshausen haben wir rasch unseren Wanderweg herausgesucht: Die nächsten Kilometer wies uns die Nummer 27 unseren Weg durch den Habichtswald, rund um den Blauen See. Mit dem See (der höchstens blau ist, wenn das Sonnenlicht reflektiert wird) kann so mancher was anfangen. Doch was ist eigentlich diese Nekropole? Das Wort ist aus dem altgriechischen abgeleitet und bedeutet so viel wie „Totenstadt“. Eine Nekropole im Wald? Wie so vieles in unserem schönen documenta-Kassel, lässt sich dieser Umstand ganz einfach erklären: KUNST.

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Initiator der Nekropole ist der 1997 verstorbene Harry Kramer, der unter anderem an der documenta 3 teilnahm und als Professor an der ehemaligen Kunstakademie Kassel lehrte. Mit diesem Projekt wollte Kramer einen öffentlichen Ort schaffen, an welchem jeder Künstler sein eigener Auftraggeber ist – und schuf damit definitiv eine neue Form von Kunst im öffentlichen Raum. Während bereits neun Grabmale realisiert wurden, sind insgesamt vierzig geplant. Namhafte Künstler gestalten also zu Lebzeiten ihre eigenen Grabmäler und werden sich dort später einmal  bestatten lassen – doch wer bestimmt, welchen Künstlern die Ehre zukommt und wer bezahlt das?

Eine Stiftung, die aus dem Privatvermögen Kramers hervorging, finanziert die Nekropole. Ausgewählte KünstlerInnen von documenta-Rang werden von einem Stiftungsrat vorgeschlagen und erhalten die Chance, ihre Arbeit auf einem frei ausgewählten Platz auf dem Gelände der Nekropole zu realisieren. Die Kosten werden mit Stiftungsmitteln bezahlt. Die Stadt Kassel übernimmt übrigens die Trägerschaft der Stiftung.

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Da wir euch zum „Kassel-erleben“ ermutigen wollen, möchten wir euch nicht alle Kunstwerke präsentieren. Aber ein paar Bilder haben wir für euch. Zum Beispiel ein paar Eindrücke von dem Grabmal „Spielraum“ des 2015 verstorbenen Werner Ruhnau. Das Theater – ein Festspielplatz – diente als Vorbild für sein Werk, weshalb es auch sein Wunsch war, dieses als Ort des Festes und Spieles zu nutzen.

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Die aus Granit gefertigte „Vogeltränke“ von Heinrich Brummack, fängt das lebenswichtige Element (Regen-)Wasser auf, damit Vögel davon trinken können. Die Schale ruht auf zwei Sarkophagen.

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„Das Auge ist das Herz der Kunst“,

so Karl Oskar Blase. Sein 2001 erbautes Werk „Momentum“ erfasst den Augenblick. Das nach innen und außen gerichtete Auge erfasst Geist und Materie zugleich. Den Augenblick erfassten wir auch, wir sahen das, was jetzt ist: Auf der Bank gegenüber fanden wir Zeitungsausschnitte aus dem Jahr 2004. Gleichzeitig sahen wir, was war – vor rund 12 Jahren in der Zeitung. So viele Momente, so viele Augenblicke. Meine Entschuldigung für diese kurze Ausführung: KUNST! – und der Umstand, das dieses wohl mein liebstes Grabmal ist.

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Auf der Lichtung in grellem Sonnenschein, nun das letzte Werk unserer kleinen Auswahl. Der „Denk-Ort“ von Ugo Dossi ist eine betretbare Installation aus Stahlplatten. In die Platten sind Bildmotive geschnitten, die als Lichtbilder erscheinen – wer Papier oder Stoff dabei hat, kann die Bilder übertragen und mit nach Hause nehmen. Sind es Gesichter des Todes, Formen der Seele?

Bevor ich diesen Beitrag beende, muss ich noch ein paar Worte loswerden. Ich mag das – die Nekropole. Es ist ein Ort, der von seiner Natur her ein trauriger ist. Doch während unserem kleinen Spaziergang habe ich gemerkt, wie wichtig Kunst – Grabmalkunst – für solche Orte ist. Sie regt zum Nachdenken an, erzählt Geschichten, lässt uns einen Einblick in die Köpfe längst verabschiedeter Menschen. Sie reflektiert einen Teil der Persönlichkeit, lässt die Person wieder aufleben. Auch wenn die meisten Grabmäler ihrer eigentlichen Funktion noch nicht nachkommen – ich denke, die Nekropole wird man immer zufrieden verlassen können, denn man spürt, dass dieser Ort kein trauriger ist. Lasst euch selbst inspirieren und berichtet uns gerne eure Eindrücke!


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