LETZTE SONNENSTRAHLEN IN DER KARLSAUE

16. November 2016

Ein kalter November-Sonntag lädt zwar dazu ein, dass man es sich mit Kuscheldecke vor dem Kamin gemütlich macht, aber er bietet sich auch perfekt für einen Herbstspaziergang an – Frischluft inklusive. Und weil man Kassel besser genießen kann, wenn man einen Schritt vor die Haustür setzt, haben wir uns in unsere wärmsten Mäntel gehüllt, um ein paar herbstliche Eindrücke von unserer schönen Stadt zu sammeln. Wenn man die Natur sucht, liegt es auf der Hand, eine der Kasseler Parkanlagen aufzusuchen – zwischen Kakao und Käsekuchen hat es uns schließlich in die Karlsaue verschlagen. Ihr Namensgeber ist übrigens Landgraf Karl, der auch den Herkules in Auftrag gegeben hat. Während der Park anfangs, ab 1680, streng geometrisch-barock gestaltet wurde, gab man diese Gestaltung Ende des 18. Jahrhunderts auf und verpasste ihm ein neues Aussehen in Anlehnung an den Englischen Landschaftsgarten.
Doch bevor wir die (im Winter gesperrte) Gustav-Mahler-Treppe in Richtung Aue hinabsteigen konnten, blieben wir am Rahmenbau hängen. Im Jahr 1977 zur documenta 6 errichtet, ist das Kunstwerk „Rahmenbau“ von Haus-Rucker-Co noch immer ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Als Vorrichtung zur Blicklenkung „rahmt“ die begehbare Plastik das Stadtbild jenseits der Aue ein. Betritt man den Steg, der zu einem kleineren, die Orangerie umschließenden Rahmen führt, wird man selbst zum Bildinhalt – dreht man sich an jener Stelle um, kann man die Kasseler Innenstadt im großen Rahmen bewundern. Wir können nur bemerken, dass das aus Stahl gefertigte Kunstwerk am Rande der Karlsaue immer wieder ein paar Blicke wert ist, denn es hält dazu an, kurz zu verweilen, in verschiedene Richtungen zu schauen, um schließlich zu erkennen, wie schön Kassel ist.

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Weil auf der Gustav-Mahler-Treppe kein Winterdienst erfolgt, ist sie zur kalten Jahreszeit stets gesperrt. Kümmern tut das noch wenige, denn noch ist weder Schnee, noch Eis in Sicht. So steigen wir mit vielen anderen Spaziergängern über die an Ketten befestigten gelben Schildchen, und tauchen schließlich in die „Natur“ ein. Während die Sonne im Winter recht tief am Himmel steht, blitzen ihre Strahlen durch die Baumkronen und lassen das Laub in den sattesten Farbtönen leuchten. Auf der sogenannten Kiwi (Kifferwiese) gleich rechts der Treppe, liegt das Laub so am Boden, als würde es den Parkbesuchern einen Weg weisen wollen. Querfeldein folgen wir den Blättern vorbei am Bronzebaum „Idee di Pietra“ von Giuseppe Penone, der erst seit der documenta 13 im Jahr 2012 zum festen Bestandteil der Landschaft wurde.

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Über eine schmale Brücke überqueren wir die Drusel, auch Kleine Fulda genannt, und gelangen schließlich zum Herz der 150 Hektar großen Parkanlage. An der Spitze der Karlswiese, die vor dem Schloss Orangerie ihren Platz hat, stehen klassizistische Skulpturen, darunter Darstellungen antiker Plastiken. Sie grenzen an zwei der vielen Achsen an, die die Karlsaue durchstrecken: Während ein Weg als mittlere Achse zum Aueteich führt, markieren zwei Kanäle, Hirschgraben und Küchengraben, die beiden äußeren Achsen.

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Auf dem von Bäumen gesäumten Weg zum Teich begegneten uns nicht wenige Hunde – es ist aber auch ein schöner Ort zum Spazieren. Ein Hund ist uns besonders in Erinnerung geblieben: Sein Fell rot-braun wie das Laub, konnte man ihn kaum von den Blätterbergen am Wegesrand unterscheiden. Erst bei genauem Hinsehen hat man bemerkt, dass es sich bei dem sich bewegenden „Blattmonster“ um einen süßen Vierbeiner handelte. Als wir am Teich ankommen, ist die Sonne gerade am untergehen. Während noch so manche Ente ihre Bahnen zieht, taucht die Sonne das Wasser in ihr warmes Licht. Schnell ist vergessen, dass uns nur wenige Meter von der viel befahrenen Frankfurter Straße trennen – kaum zu glauben! Hinter dem Aueteich liegt dazu noch die Insel Siebenbergen, welche uns schon immer als eine Art Paradies erschien. So wundert es nicht, dass Gewässer und Teiche der Karlsaue nur der Entfaltung von Flora und Fauna dienen.

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Nach einer Kehrtwende sind wir bei der sonnengelben Orangerie angelangt, die das Astronomisch-Physikalische Kabinett beherbergt, ist die Sonne fast vollständig verschwunden. Der Tempel, der inmitten des Aueteichs noch so nah erschien, schmückt nun den Horizont zwischen den Baumkronen.

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Weit über die Stadtgrenzen hinaus trifft man Menschen, die Kassel nur als Stadt mit dem zugigen Bahnhof kennen. Und vor Ort beklagt man sich über das vermeintlich hässliche Stadtbild mit der eigentlich schmucken Architektur der 50er Jahre. Doch die Waschbärenhauptstadt ist in Wahrheit nicht bloß schön, nein, sie hat sogar einiges zu bieten - deshalb wurde 2016 "Fuldaufer" von Lena Gehrmann und Sebastian Tam gegründet. Sie zeigen, wie und wo sie Kassel erleben und bieten Inspiration für Kassel-Bewohner und -Besucher. Erlebt Kassel mit ihnen: Kreuz und quer, kulinarisch und kulturell!

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