DOCUMENTA-RUNDGANG AUF DEM SMARTPHONE

21. September 2016

Kassel ist documenta-Stadt. Während hier alle fünf Jahre die berühmte Kunstausstellung stattfindet, wurden von documenta zu documenta neue Schauplätze für die Kunst jenseits der Ausstellungsräume erschlossen. Kunstwerke, kommentierend oder in das urbane Umfeld eingreifend, fanden seit 1977 mehr und mehr Platz im Stadtraum. Davon sind auch einige geblieben: Unser Kassel schmückt sich nun mit einer beachtlichen „Sammlung“ von sechzehn Außenkunstwerken vergangener documenta-Ausstellungen. Für uns Kassel-Bewohner völlig normal, ist dieser Umstand eigentlich sehr besonders – und verdient Aufmerksamkeit! Denn welche Stadt hat so viel im öffentlichen Raum erfahrbare Kunst zu bieten, wie Kassel?
Ende August stellte unser Oberbürgermeister Bertram Hilgen ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Kassel, der documenta und des Museum Fridericianum vor: Im Rahmen dessen entstand ein Führer, abrufbar auf allen Smartphones und mobilen Endgeräten mit Internetzugang, der uns über die documenta-Außenkunstwerke informieren sollte. Die Kunstwerke seien in drei Rundgänge aufgeteilt, sodass man seinen Spaziergang „ohne Umwege“ mit ein bisschen Kunst-Wissen verbinden kann. Wir waren natürlich neugierig und haben das ganze mal getestet, aber lest selbst!

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-1

Um zu den Rundgängen zu gelangen, habt ihr die Möglichkeit, die App „izi.TRAVEL“ herunterzuladen, wo ihr im Suchfeld „Kassel“ eingeben müsst. Noch einfacher ist es, die Website „documenta-historie.de“ im Browser eures Smartphones oder Tablets aufzurufen. Schon werden euch drei Rundgänge angeboten: Ihr könnt zwischen dem documenta-Parcours Friedrichsplatz (600 Meter Fußmarsch, umfasst 5 Kunstwerke), dem Parcours Staatspark Karlsaue (1,5 Kilometer Fußmarsch, umfasst ebenso 5 Kunstwerke) und dem Parcours Stadtraum (5,8 Kilometer Fußmarsch, wahlweise mit Bahnfahrt, umfasst 6 Kunstwerke) wählen. Wir haben uns für den kurzen Rundgang über den Friedrichsplatz mit der izi.TRAVEL-App entschieden, da wir gerade in der Innenstadt unterwegs waren.

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-2 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-3

Den Rundgang ausgewählt, geht es schon fast los. Schnell noch die Sprache auswählen (neben Deutsch steht auch Englisch zur Wahl) und einen Blick auf die Zeitangabe geworfen (zwölf Minuten soll unser Spaziergang dauern), drücken wir auf Start. Es öffnet sich eine Karte, die uns den Verlauf unseres Spaziergangs verrät. Der Startpunkt befindet sich in der Mitte des Friedrichsplatzes bei Kunstwerk Nummer 1 – „Der vertikale Erdkilometer“ von Walter De Maria. Dort angekommen, ertönt schon die angenehme Erzählstimme unseres heutigen „Reiseführers“: Er erzählt uns über Entstehung und Hintergrund des Werkes und bettet es in die documenta-Geschichte ein. Wer lieber liest, als zuhört, findet in der App auch das Erzählte in Textform. Den letzten Informationen gelauscht, werden wir schon mit Punkten belohnt. Wozu man die Punkte braucht, wissen wir nicht so recht – aber Belohnungen sind bekanntlich immer gut!

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-4 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-5 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-6

Dank GPS/Standortermittlung können wir der Linie auf dem Display unseres Smartphones problemlos folgen, die uns direkt zum nächsten Kunstwerk führt. In der perfekten Perspektive für ein gutes Foto, möchte ich  gerade Halt machen, da beginnt die Stimme zu reden. Sollte das kein Zufall gewesen sein, führt der Audioguide zur passenden Stelle, um Erlebtes als Foto festzuhalten. „Die Fremden“ von Thomas Schütte blicken mit niedergeschlagenen Augen herab – unser Reiseführer erklärt, wieso.

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-7 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-8 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-9

Mit neu gesammelten Punkten, führt uns der Parcours vor das Fridericianum zu Beuys‘ „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Hier wurden die erste und die letzte Eiche der insgesamt 7000 Bäume gepflanzt, welche sich jeweils in Kombination mit einer Basaltstele im gesamten Stadtgebiet verteilen. Wusstet ihr, dass die soziale Plastik seit 2004 unter Denkmalschutz steht?

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-10

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-11
fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-12

In den Steinweg eingebogen, bleiben wir vor dem Zwehrenturm stehen. Jeden Samstag kann man nach Einbruch der Dunkelheit Horst H. Baumanns „Laserscape“ bewundern. Gerade ist es nicht Samstag und schon gar nicht dunkel, doch wir lauschen den Worten unseres Audioguides gespannt, so werden wir kommenden Samstag die Laserstrahlen am Nachthimmel noch einmal eines besonderen Blickes würdigen. Und wer nur kurz in Kassel verweilt oder den Samstag nicht erwarten kann, blickt einfach auf das Bild des Kunstwerkes in der App. Das nächste und letzte Werk befindet sich auf der anderen Seite des Friedrichsplatzes. Durch eine Menge an Pokémon Go-Spielern bahnen wir uns den Weg zum Gebäude der AOK Hessen. In seinem markanten Treppenhaus der Nachkriegsarchitektur befindet sich die 1992 angelegte Klanginstallation „Three to One“ von Max Neuhaus. Uns bleibt nur der Klang der Stimme des Erzählers, denn das Gebäude hat heute geschlossen. Die App kann uns zwar keine Öffnungszeiten verraten, aber da wir gerade vor dem gläsernen Gebäude stehen, können wir sie einfach an der Tür nachlesen. Hier endet der Parcours. Unterwegs waren wir knapp zwanzig Minuten. In der Zeit haben wir aber neben Frischluft eine Menge an neuem Wissen mitgenommen beziehungsweise altes aufgefrischt. Uns hat der Spaziergang durch das „virtuelle Museum“ wirklich Spaß gemacht und empfehlen ihn deshalb nicht nur Kasslern oder Kassel-Besuchern, sondern auch allen Kasselanern und Kasselänerinnen.

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-13 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-14 fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-15

fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-16
fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-17
fuldaufer-kassel-documenta-app-rundgang-kultur-friedrichsplatz-spass-erkunden-lena-gehrmann-sebastian-tam-18


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ÜBER FULDAUFER

Weit über die Stadtgrenzen hinaus trifft man Menschen, die Kassel nur als Stadt mit dem zugigen Bahnhof kennen. Und vor Ort beklagt man sich über das vermeintlich hässliche Stadtbild mit der eigentlich schmucken Architektur der 50er Jahre. Doch die Waschbärenhauptstadt ist in Wahrheit nicht bloß schön, nein, sie hat sogar einiges zu bieten - deshalb wurde 2016 "Fuldaufer" von Lena Gehrmann und Sebastian Tam gegründet. Sie zeigen, wie und wo sie Kassel erleben und bieten Inspiration für Kassel-Bewohner und -Besucher. Erlebt Kassel mit ihnen: Kreuz und quer, kulinarisch und kulturell!

Fuldaufer in dein E-Mail-Postfach?

© FULDAUFER 2017 ÜBER UNS / KONTAKT / IMPRESSUM
FOLLOW US