DAS STECKT IM KOLORCUBE

20. Juni 2017

Kennt ihr den Verein KolorCubes? Wenn nicht, dann sollte das spätestens die Eröffnung des kleinen Galerie-Lädchens in der Frankfurter Straße 54 ändern. Zumindest nehmen wir diese zum Anlass, euch über den Verein – oder besser: das Projekt – zu berichten. Auf jeden Fall zog es am Donnerstagabend viele Interessierte in die Südstadt, die bei feucht-warmen Regenwetter auf eine Riesling-Schorle in das würfelige Ladengeschäft einkehrten.

Neben besagtem Trunk, einer Menge Graffiti-Merchandise und Kunstdrucken konnte man dort auch Dustin Schenk und Gerrit Retterath antreffen. Man könnte fast sagen, die beiden sind wie Spraydosen, mit denen ein Graffiti an die Wand gemalt wird. Denn: ohne Farbe, kein Gemälde – was heißt: ohne die Jungs, kein KolorCubesUnd ohne KolorCubes? Graue Wände.
Denn der Verein organisiert und begleitet großflächige Wandprojekte im Kasseler Stadtbereich, wobei die Wände von renommierten Graffiti-KünstlerInnen gestaltet werden. Im Klartext: KolorCubes erschließt geeignete Wände und steht mit deren Eigentümern in Kontakt. Der Verein lädt Künstler nach Kassel zur Wandgestaltung ein und betreut diese vor Ort. Nach Fertigstellung einer Wandbemalung sorgt KolorCubes im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit dafür, dass das Kunstwerk gebührende Aufmerksamkeit erhält. Doch hier geht es nicht nur um hübsche Fassaden. Kunst im öffentlichen Raum kann Menschen zusammenbringen und ein Stadtviertel bereichern. Die Kunst findet nicht hinter verschlossenen Atelier-Türen statt, sondern passiert in aller Öffentlichkeit – Künstler und Anwohner, Passanten und Kunstinteressierte treffen aufeinander und kommen ins Gespräch. Hier wird sie erschaffen, an der Wand, im Gespräch: Die Seele eines ganzen Stadtteils. Ihr stimmt mir zu – oder seid ihr noch nie im Schillerviertel gewesen?

Der Verein sorgt sich aber nicht bloß um die Fassaden unserer Stadt, sondern auch um ihre Bewohner. Denn KolorCubes hat sich auch der Kunstvermittlung verschrieben. Graffiti wird als partizipatives und weltoffenes Kulturprojekt begriffen, mit welchem der Verein Kunstinteressierte vertraut machen möchte. Workshops, Talkrunden oder Stadtführungen (wir berichteten hier) dienen als Mittel zum Zweck. Man kann sich beispielsweise über gemalte Wände austauschen. Und auch der Umgang mit Sprühdosen ist nicht besonders voraussetzungsvoll – ausprobieren, verständigen, dazulernen – das ist die Devise. Denn um sich künstlerisch auszudrücken, muss auf dem Personalausweis keineswegs „Picasso“ stehen, schließlich darf Graffiti als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit verstanden werden.

Den Sommer über ist KolorCubes in der ehemaligen Warte für Kunst zu Gast und präsentiert dort Ausstellungen, Drucke und – wie bereits erwähnt – Graffiti-Merchandise. Der Kolorcube soll dabei als Info-Point für das Projekt an sich, sowie als Ausstellungsfläche für die nach Kassel eingeladenen KünstlerInnen dienen. Da steckt also ganz schön was drin, in diesem Kolorcube! Und zwischen bunten Bildchen, Büchern und Stickerheftchen (von Andreas Ullrich, sau cool!) kann man dann auch mal neue Bekanntschaften machen.


So geschehen! Denn wir lernten den Künstler SatOne kennen, der gerade drauf und dran war, eine Fassade in der Erzbergerstraße zu gestalten. Kuratiert von KolorCubes, ist Kassel nun um ein futuristisch-abstraktes Kunstwerk reicher – und ihr um die Idee, was KolorCubes eigentlich ist und wie es Kunst und Kultur in der Waschbärenhauptstadt fördert. Oder?



1 Kommentar

  • Hi, ich finde es super, dass Du über Events rund um die Documenta berichtest. Ich war am Donnerstag auch da und fand Laden und Leute super. Ich habe mir auch so ein Stickerheft geholt, die es für einen kleineren €-Schein zu kaufen gab.

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