AM SONNTAG KAM DER WINTER

18. Januar 2017

Es ist Sonntag, ein müder Blick auf das Mobiltelefon verrät, dass es kurz nach 11 Uhr ist. So beginnen sie meist, die Sonntage. Man weiß schon vorher, dass die Läden geschlossen haben und damit Aktivitäten wie das Bummeln durch die Innenstadt wegfallen. Man weiß auch, dass sich Sonntage super für folgende Aktivitäten eignen: Aufräumen, zum Brunch gehen oder ein Museum besichtigen oder ein gutes Buch lesen. Doch dieses konkrete Wissen liegt, wie ich finde, meist dem Verstand näher. Und am Sonntag siegt doch eher das Herz – das heißt: Ausschlafen! Daraus folgerte diesen Sonntag, dass ich erst kurz nach 11 Uhr aus dem Fenster schaute und dann umso mehr staunte: ES SCHNEEEEIT! Und zwar so richtig (zumindest für Kasseler Verhältnisse). Der erste Gedanke war, mit Schlitten unterm Arm in den Bergpark zu stapfen. Da wir spontan kein hölzernes Gefährt auftreiben konnten, entschieden wir uns, mit dem kleinen Hund einen Ausflug zu machen – und ihn mal quer durch den Schnee im Bergpark zu jagen.

Nachdem wir es  zwischen Schlitten, Schneeanzug und Thermoskanne mit der Linie 1 an den Fuß des Bergparks geschafft haben, wussten wir schon: Es würde voll werden. In etwa so voll wie die Bahn, aus der wir gerade ausgestiegen sind. Kein Problem für Peanut, Vorzeige-Chihuahua und heimlicher Schnee-Fan – er scharrte bereits mit den Hinterpfoten im Schnee und konnte es kaum erwarten, endlich den Bergpark unsicher zu machen. Ungefähr zwanzig Zentimeter Schnee sollten viel Spaß versprechen – für uns als Spaziergänger und für all die Kinder und Familien, die mit ihren Schlitten vom Schloss hinab gen Tal rodelten.

Hat man es vor das Schloss geschafft, ist es gar nicht mehr so voll – hier waren neben Spaziergängern, die die schöne Schneelandschaft zu genießen versuchten, zahlreiche Fotografen unterwegs, um das winterliche Kassel einzufangen. Wir tollten ein bisschen mit Peanut auf der Wiese. Mit langer Leine konnte er hier meterlang durch den Schnee galoppieren, ganz ohne über Maulwurfhügel zu stolpern.

 

Am Fontänenteich bot uns ein unglaublicher Anblick – sehr romantisch, man muss es ja mögen – aber doch wunderschön: Der Jussow-Tempel thront über dem nahezu vollständig zugefrorenen Teich. Vom Äquadukt kommend, plätschert das Wasser die Peneuskaskaden hinab. Hier haben sich bestimmt zehn Enten „versteckt“, die allerdings anfingen mit den Beinen zu strampeln, als sie Peanut erblickten – so ging es dahin, dass Winter-Enten-Foto.

 
  
 

 

 

Schon wieder muss man bemerken, dass Kassel einfach schön ist. Wo sonst kann man an einem verschneiten Sonntag durch den Bergpark wandern, Schlitten fahren, mit dem Hund spielen und nebenan im Café einen heißen Kakao zum Aufwärmen trinken? Das nennt man mal ein Naherholungsgebiet. Obwohl sich Peanut als wahrer Schnee-Liebhaber entpuppte und gar nicht mehr nach Hause wollte, traten wir bald den Heimweg an. Im Dunkeln ist es im Bergpark zwar auch schön (besonders bei sternenklarem Himmel), aber schon jetzt war es sehr rutschig – und richtig kalt sollte es erst werden.

Zwischen Schneemännern und Schlitten rutschten wir schließlich wieder zur Straßenbahn. Ebenso voll wie auf dem Hinweg, bot sich uns hier ein besonderer Anblick: Selten sieht man so viele glückliche, ja fröhliche Kassel-Bewohner auf einem Fleck. Auch Peanut hatte ein Grinsen auf dem Gesicht, bevor er Zuhause müde ins Körbchen fiel. Unser Fazit: In Kassel darf es öfter schneien.


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